“Beethoven: Erzählt.” – Das Festival: Improvisation – die alte, fast vergessene Kunst

Dieser Abend erinnert an die fast vergessene Kunst der klassischen Klavier-Improvisation. Gemeint ist damit nicht etwa irgendwie frei erfundenes Klavierspiel, sondern eine freie Kombination musikalischer „patterns“, die nach Regeln geschieht. Dargeboten wird diese Kunst von einem der international meist gefragten Spezialisten dafür.
Im ersten Teil spielt und erläutert Laurens Patzlaff Improvisationen, die sich sowohl thematisch auf Beethoven beziehen, als auch den historischen Kontext der verschiedenen Improvisations-Gattungen beleuchten.
Im zweiten Teil kann sich das Publikum mit Vorschlägen beteiligen, so, wie es in Konzerten des späten 18. und nahezu des gesamten 19. Jahrhunderts üblich war. Wer will, kann musikalische Themen, Melodien oder musikalische Titel aller Art vorschlagen, über die Laurens Patzlaff dann frei improvisiert. Die Vorschläge können direkt am Klavier gemacht werden oder gesungen oder auf Papier notiert, je nach Geschmack und Laune.
Dass Ludwig van Beethoven auch ein Improvisations-Genie war, ist heute nahezu vergessen. Bei seinen Auftritten begeisterte er das Wiener Publikum mit spontanen, geistreichen und oft ausschweifenden Klavier-Improvisationen, nicht nur mit adhoc improvisierten Kadenzen innerhalb seiner Klavier-Konzerte, sondern auch, wie im ersten Teil dieses Konzerts, mit dem sogenannten Präludieren. Das sind musikalisch improvisierte „Vorbereitungen“ auf dann folgend gespielte Kompositionen.
Eine eindrucksvolle Anekdote über die Entstehung der heute gespielten Fantasie g-Moll, wurde von Beethovens berühmtem Schüler Carl Czerny 1852 festgehalten: „In einer gemischten Gesellschaft bat einmal ein ausländischer Pianist seine Zuhörer, ihm ein Thema zum Improvisieren zu geben. Beethoven, der in Gesellschaft immer lustig und mutwillig war, ging ans Klavier, spielte eine Tonleiter durch mehrere Oktaven hinauf und setzte sich lachend wieder nieder. Der Ausländer bat erneut um ein Thema. „Ich habe Ihnen das
Thema schon gegeben“, sagte Beethoven. „Was, das soll das Thema sein!“ „Sicherlich, und sogar ein sehr gutes.“ Der verwirrte Künstler musste improvisieren, so gut er konnte. – Kurz darauf erschien Beethovens Phantasie op 77, welche auf einer solchen Tonleiter beruht, und nur die Frucht von Beethovens lustigen Launen ist.“

Laurens Patzlaff, Clavier

Programm

Präludium (improvisiert)

Ludwig van Beethoven
Fantasie g-Moll, op. 77 (evtl. 1809)
Intermezzo (improvisiert)

„Non si fa una Cadenza!“ (Beethoven: „Spielen Sie hier keine Kadenz.“)
Laurens Patzlaff bezieht sich auf die Bemerkung Beethovens zur
Kadenz seines 5. Klavierkonzerts und hinterfragt spielend die
Geschichte der Kadenz-Improvisation.

Coda (improvisiert)

Pause

Improvisationen über Themenvorschläge des Publikums

Tickets ab Samstag, den 05. Juni 2021, unter: www.reservix.de

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